Der zweite Band Operation TIEFER DORN von Matthias Vetsch liegt vor und zieht die Leserschaft erneut in den Bann der Ereignisse im Grenzraum Schweiz-Deutschland-Österreich. Die Handlung des fiktiven Romans – ein genaues Jahr wird nicht genannt – schliesst an den ersten Band «Aufmarsch» an. Einige Monate später wird die Lage für die Schweiz immer bedrohlicher. Luftraumverletzungen über die Grenze im Rheintal nehmen zu. Der Chef der Armee muss die verlängerten Dienste der Milizarmee rechtfertigen. Die Nachrichtendienste werden lebendig wie ein Ameisenhaufen. Die Dienste fremder Länder allerdings auch. Man muss sich auf Bedrohungen einstellen.

In diesem Band agieren die Protagonisten vorwiegend in den Tälern Graubündens und in den angrenzenden Regionen der Nachbarländer. Es ist April, in den Bergen herrscht immer noch tiefer Winter, Strassen und Pässe sind geschlossen. Der Arlbergtunnel rückt als Verkehrsknotenpunkt ins Zentrum. Hart ausgebildete Angehörige der Spezialkräfte sind in einer geheimen Mission unterwegs. Sie bleiben unentdeckt, führen ihren Auftrag aus, teils unter schwierigsten Bedingungen und mit Verlusten. Auch der mögliche Gegner ist unterwegs, mit weniger Skrupeln. Der Leser trauert und leidet mit und friert sogar in der warmen Stube.

Der Bundesrat zögert, scheut Entscheidungen. Gemäss Hinweisen befreundeter Nachrichtendienste sollte am «Tag des Sieges» eine offensive Aktion Russlands bevorstehen. Im Cyber-Bataillon erhalten ausgewählte IT-Spezialisten neue Aufträge und arbeiten abgeschieden an unbekannten Orten, ohne Rücksicht rund um die Uhr, teils unterirdisch. Die Zeit läuft davon. Auch der Bundesrat sitzt auf gepackten Koffern und Aktenkisten. Und wer entscheidet kurzfristig? Der Bundesrat oder der Chef der Armee? Hat man genügend Zeit oder müssten Befehle schon vorher erteilt werden können, auch ohne gewählten General?

Inzwischen spielen sich in der Provence, der «Route Napoléon» entlang, ganz andere Szenen ab. Dort werden Angehörige der Schweizer Armee auf Panzerwaffenplätzen ausgebildet und beübt. Es mangelt an Material, an fähigen Kadern. Man findet gemeinsam mit den Franzosen Lösungen, ist begeistert davon, doch dann fehlt es an der Möglichkeit, überhaupt in die Schweiz zurückkehren zu können.

Mit dieser Lektüre werden wir aufgerüttelt, erwachen aus der behaglichen Zone des scheinbaren Friedens. Wir stehen mitten in den Ereignissen. Wer das Buch aus der Hand legt, um sich wieder mit dem Alltag der Gegenwart zu beschäftigen, stellt sich die Frage: Fiktion? Sind wir am Ende schon in dieser Zeit angekommen? Habe ich nicht gerade so etwas in der Tageszeitung gelesen? Was am «Tag des Sieges» passiert, bleibt letztlich unbeantwortet. Spannung bis zum letzten Satz. Dieses Buch muss man einfach lesen.

Four aD Ursula Bonetti


Matthias Vetsch, Operation Tiefer Dorn, Band 2, Antium-Verlag, Lachen SZ, 2025,
ISBN 978-3-907132-34-0. Erhältlich im Buchhandel.